Eine kleine Bildergeschichte über einen kleinen tapferen Mann zusammengestellt von seinem Vater

 

Vor der Operation im April habe ich kaum Bilder gemacht. Hier sind dennoch zwei Aufnahmen aus dieser Zeit. Oben ein Bild von „Archibaldia“, der Insel, die Simon und ich zusammen gebastelt haben, als er mit seinem Gips sehr unbeweglich war. Zur Erhaltung der restlichen Mobilität und zur Kräftigung diente die Physiotherapie mit Frau Morrison in meinem Kraftraum, was Simon Spass machte.

 

Dies ist das einzige Bild, das ich von all den Spitalaufenthalten habe. „Das talentierte Bastleteam“ nennt es die Fotografin, die Mutter von Philippe Hauri aus Kehrsatz, der im November gestorben ist. Im Spitalgang vom G7 Süd hängen auch drei Kreationen von mir. Schwester Sabine, Frau Ridolfi und Herr Leibundgut als Zirkusartisten.

 

Hier sind zwei der Artistinnen im Bild zu sehen. Oben Schwester Sabine, unten Frau Ridolfi. In der Mitte Schwester Sandra. Alle drei sind Meisterinnen ihres Fachs und ihrerKunst und was sie tun ist nicht l‘art pour l‘art,sondern von Mitgefühl und grosser Menschlichkeit geprägt.

 

Die Operation ist vorbei, die Phantomschmerzen am Abklingen und die Physiotherapeutin Sybille Thommen findet den Zeitpunkt für gekommen, das Hallenbad im Kinderspital einer eingefleischten Wasserratte zugänglich zu machen. Auch ich bin dort einmal geschwommen und habe dies, wie die drei auf den Bildern, sehr genossen.

 

Es war Jacqueline Jaggis Idee, Simon einen Helikopterflug zu ermöglichen. Bezahlen durfte sie ihn dann aber nicht, Air Glaciers hat die Kosten dafür übernommen. Dafür hat Jacqueline ein beträchtliches Vermögen in Lego-Technic- Bausätze investiert. David, Erika und die Lego-Therapeutin, Chauffeuse und verhinderte Spenderin haben Simon auf dem Flug begleitet. Ein ängstliches Päpi blieb am Boden.

 

Die beiden Buben sassen vorne neben dem Piloten. Die Bilder zeigen, dass Simon eine Zeitlang kein einziges Haar mehr auf seinem Kopf trug, was ihn aber nie sonderlich gestört hat.

 

Tatsächlich, der verschnupfte und vergrippte Herr Mordasini, auf dem unteren Bild zwischen Simon und dem angeschnittenen David, brachte es fertig, dass sich das Eisending in die Lüfte erhob, wie das Bild oben eindeutig beweist. Wer gut schaut, erkennt unschwer Feutersoey und das Chalet Gandalf aus der Vogelperspektive.

 

Die Aufenthalte in Feutersoey waren immer zu kurz, die Zeit im Spital immer zu lang. Darum wurde zu Hause all das gemacht, was im Spital nicht möglich war. Zum Beispiel ein Zelt aufstellen. Grossmama hat Simon ein wunderschönes Zelt geschenkt. Wie es dazu kam, ist eine Geschichte für sich. Hier sieht man es am Morgen nach der Nacht, in der Simon zum ersten Mal in ihm geschlafen hat. Nicht alleine natürlich, sondern zusammen mit Lukas Iseli.

 

Zusammen mit Simon habe ich ein Wasserrad gebastelt, auf das wir beide sehr stolz sind. Oben dreht es im Bachbett im Tschärzis, angetrieben durch Wasser vom Bach, das durch eine kunstvoll angelegte Leitung fliesst, unten bei einem Probelauf vor dem Haus.

 

Auch wenn die Zeit im Spital langweilig war, es wurde zu Simon gut geschaut. Und nicht nur zu ihm, nein, zur ganzen Familie wurde geschaut. Eine Woche Ferien mit allem drum und dran und Hallenbad und Aquafit im Hotel Primrose am Schwarzsee wurde vom Spital organisiert und vom Fonds Arche bezahlt. Dazu die Betreuung durch Frau Ridolfi, Sandra und Sabine. Als sich das Wetter besserte, wurden sogar noch Sesselbahnfahrten möglich. Wir denken gerne an diese Zeit zurück.

 

Obwohl das Wetter nicht ganz mitspielte, gespielt wurde trotzdem, und wie! Ping-Pong-Turniere und Billard bis spät in die Nacht.

 

Es entwickelten sich am Schwarzsee auch Bekannschaften und Freundschaften. Mit les Stähli aus Le Landeron zum Beispiel. Auf dem Bild sieht man Vater Robert und Sohn Raphael. Der blondschöpfige David konnte mit Raphael sein Französisch ungemein verbessern. Ich übrigens auch, aber mit Robert. 

 

David ist dann eine ganze Woche in Le Landeron zu Besuch gewesen. Dort im grossen Garten haben wir dann zusammen gegessen. Vorher kam Raphael zum Falischirmfliegen und für eine Velotour an den Arnensee mit seiner Familie zu uns. Für mich war dieses Geschenk an Raphael nicht mit einem Verlust, sondern nur mit Gewinn verbunden: Das Päpi fliegt nicht gern!

 

Es soll niemand sagen, Nepomuk hätte seinen Teil zur Genesung von Simon nicht getan. Der kleine Kater und der kleine tapfere Mann schlafen fast jede Nacht auf und im gleichen Bett. Tagsüber braucht Simon nicht mehr vom Balkon aus zuzuschauen, wie die anderen Kinder spielen. Er steht beim Hockey jetzt im Goal.

 

dr Simi

 

Ja ja, streck du nur deine Zunge raus! So wie der Junge auf dem Schmerzbild, das ich dir im Spital aus Werbung zusammengeklebt habe. Wir waren ja immer so froh, wenn du wieder frech wurdest und dein geschliffenes Mundwerk wieder zu hören war. Deinen Humor hast du nie verloren, nicht einmal in den Stunden, die auf die Operation folgten, in der Doktor Slongo dir dein rechtes Bein abgenommen hat. Schwester Brigitte und ich standen an deinem Bett auf der IPS und du hast uns erklärt, dass es heutzutage unwahrscheinlich gute Prothesen gebe. Du könnest es verstehen, dass David seinen Skiurlaub im Wallis deinetwegen abgebrochen habe. Du hättest es in seiner Situation ebenso gemacht. In der Nacht nach der Operation habe ich dann sechs Etagen ob dir im 317 geschlafen, sogar gut geschlafen, weil ich ja wusste, dass du mit deinem Verlust fertig werden würdest. Wir haben uns wirklich alle Mühe gegeben, damit du es in diesem Jahr gut hattest. Du hast uns aber immer wieder Mut gemacht, du hast uns getröstet und uns Hoffnung gegeben, wenn wir am Verzweifeln waren. Wenn es nicht schon lange bewiesen wäre, dass Tapferkeit nichts mit dem Alter oder der äusseren Erscheinung zu tun hat, du wärst der lebendige Beweis, das dem so ist. Ich weiss ganz genau, wem du deine Zunge zeigst. Es hat genützt!